Neues Jahr

Und die Zeit fließt nur so dahin. Erst gerade war es noch Oktober, noch eben war ich mit so vielen fremden Leuten in Warschau, noch eben bin ich die ersten Male in meine Arbeitsstelle gegangen. Und plötzlich- sind drei Monate rum, ein Drittel des Freiwilligendienstes, und ich habe mich kaum gemeldet.

Was ist passiert? So viel.

Meine WG ist mein Zuhause geworden und meine Mitbewohner gute Freunde. Ich kenne (fast) alle Mitarbeiter in der Bibliothek, in der ich arbeite, mit Namen und erkenne die Stammkunden. Der Deutschunterricht läuft gut, ich bekomme Geschenke von meinen Studenten zu Weihnachten und manchmal sagen sie süße Dinge. Ich bin mindestens einmal im Monat im Goethe-Institut. Ich habe zwei Tandems, denen ich Deutsch beibringe und die mir Polnisch. Ich habe tatsächlich das Gefühl, Fortschritte im Polnischen zu machen. Ich denke auf Englisch, sobald ich nur einen Satz in der Sprache höre. Mein ganzer Alltag findet auf zwei Fremdsprachen statt.

Ich rieche den Smog nicht mehr und ich habe mich an die Dunkelheit, an die fehlende Sonne gewöhnt. Ich weiß, welchen Club ich meiden muss und welche Bars und Cafes gemütlich sind. Ich weiß, wo ich noch fotografieren möchte. Ich habe endlich mein Stativ in meiner Stadt. Ich weiß die Nähe zum Zentrum jeden Tag mehr zu schätzen. Ich erkenne die Straßenverkäufer. Und Straßenmusiker. Mir werden keine Touristenzettel mehr in die Hand gedrückt. Ich weiß, um wie viel Uhr meine Tram fährt.

Ich weiß, wo auf facebook ich die interessanten Veranstaltungen für das Wochenende finde. Wo die Jazz Clubs sind. Wie 50% der Gerichte der Bar Mleczny schmecken. Welche Zapiekanka die besten sind. Wie man „Obwarzanek“ ausspricht. Und wo man die leckersten kauft. Ich weiß, wie die Wawel bei Sonnenuntergang aussieht und wie von innen. Welche Geschäfte es in der Galeria Krakowska gibt. Dass ich wirklich in das andere „Cat Cafe“ sollte. Wie der Künstler heißt, der die Bilder in der großen Kirche am Marktplatz, deren Namen ich nicht weiß, gemalt hat (Matejko). Wo der polnische Papst geboren ist. Und dass es keine gute Idee ist, von Zakopane nach Krakau zu fahren am zweiten Januar, weil da halb Krakau von Zakopane heimfährt.

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