Malta Festival

Moin moin!

Letztes Wochenende waren Anne und ich in Poznan. Eigentlich wollten wir Mittsommernacht feiern, aber das dazugehörige Fest fand irgendwie nicht statt. Stattdessen gingen wir zum Malta-Festival, was nach dem großen See in Poznan benannt ist, irritierender Weise aber nicht dort, sondern überall in der Stadt stattfand. Das Festival dauerte 10 Tage, wir waren an den letzten zwei dabei. Während des Festivals gab es Theateraufführungen, Konzerte, Filme, Tanz, Kunstausstellungen, Diskussions- und Gesprächsrunden, viel über den Balkan. Das Thema des Festivals war „die neue Weltordnung“.

Fünf Slogans, in Polnisch und Englisch zierten die Stadt: „My, narod/ We, the people“ (in Anspielung auf die ersten Worte der Verfassung der Vereinigten Staaten- Wer ist das überhaupt, das Volk?) und  We, the Balkans; We, the East; We, Europe; We, Others.  Der Direktor Michał Merczyński erklärt die Plakate auf der Internetseite des Festivals so: Alle Sprüche könne man auf zwei Arten sehen. Man könnte dadurch die Vereinigung und das Gemeinsame sehen, was eine Verallgemeinerung wäre (Wir sind alle Europäer). Man könne eben aber auch zwei Themen gegenüberstellen und dadurch ihre Polarität sehen- dadurch Grenzen ziehen (Wir sind alle Europäer- ihr nicht). Deshalb seien alle Sprüche durchgestrichen: Sie funktionieren nicht.

Weiter schreibt der Direktor:

„In contemporary Poland we hear less and less often about the creative and active role of civic society. More and more often, on the other hand, we hear about national pride, the religious and ethnic identity of some unspecific community which is supposed to be defined by a set of clear-cut beliefs and values, excluding respect for pluralism of attitudes and views.“ Quelle: http://malta-festival.pl/en/festival/festival-idea

Das heißt, kurz übersetzt, dass in Polen immer weniger Kreative eine Rolle in der Gesellschaft haben, sondern immer öfter über Nationalsstolz, über eine religiöse und ethnische Identität eine unspezifischen Community, die durch klare Regeln und Werte definiert werden soll, aber keinen Pluralismus der Ansichten und Einstellungen respektiert.

Dabei hat der Direktor selbst einen ganz persönlichen Grund, für den Frieden und Vielfalt (seit 27 Jahren das Ziel des Malta Festivals) einzustehen und zu kämpfen und sich im sehr konservativ bis nationalistischen Polen mutig gegen Faschismus und Nationalismus zu positionieren. Nachdem Oliver Frljić ein kritisches Theaterstück über die Religion aufführte und noch immer aufführt, wurde dem Festival gedroht, die staatlichen Gelder zu streichen, würde Kurator Frljić bleiben. Frljić blieb, das Geld blieb aus und das Festival finanzierte sich über Crowdfounding. Ein Zeichen sowohl dafür, unter welchem Druck die Künstler in Polen stehen- aber auch ein Zeichen für den Rückhalt, den Künstler (noch) in der Bevölkerung haben und ein Zeichen des Widerstands. Mehr darüber hier: http://www.ardmediathek.de/tv/ttt-titel-thesen-temperamente/Die-Sendung-vom-25-Juni-2017/Das-Erste/Video?bcastId=431902&documentId=43782380

Anne und ich waren am Freitagabend bei einem Konzert, Laibach, mit sehr experimenteller Musik (Klassik und Gothic und Elektro) und toller Bühnenshow. Die Musik faszinierte mich, doch so ganz zog sie mich nicht in ihren Bann. Danach verbrachten wir ein paar Stunden in einem Language Cafe, wo wir mit einem Typen, nicht ganz klar, woher er kam, auf englisch redeten. Auf dem Plac Solidarnosci gab es eine Silnet Disco, zu der wir anschließend gingen. Silent Disco: Man hört Musik über Kopfhörer, es gibt mehrere DJs mit unterschiedlicher Musik, zwischen der man wählen kann. Ohne Kopfhörer hört man also keine Musik- höchstens die Gesänge der Tanzenden. Außerdem waren wir am nächsten Morgen am gleichen Platz frühstücken- ein paar Menschen verkauften selbstgemachtes Essen, sehr lecker, es gab Stühle und Tische und man saß wirklich mitten in der Stadt. Außerdem waren wir- unabhängig vom Festival- in einem echt coolen Museum, in dem in 3D und in grellen Farben, zwei (oder waren es drei?) Sagen aus Poznan erzählt und gezeigt wurden. Besser als gedacht, wirklich!

Das Malta Festival ist absolut eine coole Veranstaltung, auf der man gut auch ein paar Tage länger bleiben könnte.

Quellen für den Bericht: http://malta-festival.pl/en/festival/festival-idea und ARD thesen, titel, temperamente vom 25. Juni (lohnt sich anzuschauen, die ersten 6 Minuten sind über das Festival!)

Vom 30. Juni bis zum 5. Juli bin ich in Kiew. Bitte drückt die Daumen, dass alles gut geht und wir ne Klimaanlage im Bus haben ;)

Lieben Gruß, Sofia

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s